25.08.2016

Gesundheitsversorgung- Was kann eine Kommune leisten? (Teil 1)

Als Pflegestudent hatte ich im vergangenen Jahr die Möglichkeit, ein Auslandssemester in Finnland zu machen. In der Versorgungssituation liegen zwischen Deutschland und Finnland Welten. Das hängt schon allein mit der Art der Finanzierung der jeweiligen Gesundheitssysteme zu tun.

Kurz gefasst ist es so, dass sich deutsche Krankenhäuser in der Regel auf zwei Wegen finanzieren. Zum einen stellen die Bundesländer sicher, dass die Häuser genug Kapital für Investitionen zur Verfügung haben. Dieses Geld kann für Umbau- und Anbaumaßnahmen verwendet werden oder wird für die Neuanschaffung von Großgeräten, etc. genutzt. (Sogenannte Einzelförderung)

Zusätzlich gibt es die "Bettenpauschale". Die Länder errechnen anhand des Einzugsgebietes und der Krankenhausdichte und Bevölkerungs, bzw. Fallzahlen, wieviele Betten ein Krankenhaus benötigt und subventioniert diese Anzahl. (Sogenannte Pauschalförderung)

Die laufenden Kosten werden über die Krankenkassen abgerechnet. Dieses geschieht jedoch bereits im jeweiligen Vorjahr. Das bedeutet, dass die Häuser mit den Kassen jeweils verhandeln, welche Leistungen sie erbringen dürfen. Das bedeutet aber auch, dass die Häuser in einem Jahr deutlich mehr oder deutlich weniger Leistungen erbringen, als ursprünglich geplant und dem entsprechend Mehr- oder Mindereinnahmen erzielen können, die kaum planbar sind. Der Erlösausgleich finden dann im Folgejahr statt, umfasst aber nur die variablen Kosten, nicht aber die Fixkosten. Kann sich also je nach Belegung positiv oder negativ für die Häuser auswirken.

Wie dieses Krankenhausbudget ausfällt, hängt mit der Art der Fälle zusammen, die behandelt werden. Diese werden nämlich anhand der Erkrankung pauschal abgerechnet. Diese Pauschale wiederum ermittelt die Kassen aus den Durchschnittskosten für die Behandlung in allen Krankenhäusern.

Arbeitet ein Haus also effizienter als der Durchschnitt, macht es Gewinn- so die Theorie.

Dies führt dazu, dass Krankenhäuser längst in "attraktive" und "unattraktive" Fälle unterscheiden. Die Behandlung von Lungenentzündungen oder exsikkierten ("ausgetrockneten") ist beispielsweise sehr unatttraktiv, während es insbesondere für operative, z.B. orthopädische Eingriffe viel Geld gibt.

Das Arbeiten mit Prophylaxen und Gesundheitspflege lohnt sich für die Häuser also ausschließlich dann, wenn das dazu führt unattraktive Fälle zu vermeiden und dadurch Betten für attraktivere Fälle freizuhalten.

Dieses System ist für den Bürger, egal welchen Alters, sicherlich nicht die Ideallösung. Ich denke daher, dass sich die Kommunen Gedanken machen müssen, wie sie ihren Bürgern die bestmögliche Gesundheitsversorgung anbieten können.

Als Austauschstudent in Finnland konnte ich eine Anregung mitnehmen, die an dieser Stelle eine Option darstellt: Der Gesundheitskiosk (weiter zu Teil 2)

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