10.10.2014

Gesundheitsforum Osnabrück

Am 10.10.14 fand in Osnabrück das 12. Gesundheitsforum statt. Thema war in diesem Jahr

"Organisatorischer Wandel und Leadership in der Pflege".

Der erste Vortrag wurde gehalten durch den Geschäftsführer der Med-con.professionel, Herr Strehlau, eröffnet. Aus seiner Sicht als Manager machte er die Diskrepanz zwischen dem Ziel der optimalen Patientenversorgung und dem Ziel der Gewinnmaximierung deutlich. Er teilt die Meinung von Experten, dass der Markt an Krankenhäusern übersättigt ist, und somit Krankenhäuser auf Dauer geschlossen werden müssen.
Seine zentrale These ist meiner Meinung nach, dass die Pflege die Aufgabe übernehmen muss, einen optimalen Leistungserstellungsprozess zu gewährleisten. Dazu ist es wichtig, dass alle Beteiligten um die Notwendigkeit der beiden Ziele, Patientenversorgung und Ertrag, wissen. Eine duale Führungsebene bestehend aus Medizin und Pflege sei dadurch erforderlich. Wichtig zur Umsetzung des Leistungserstellungsprozesses ist, dass Abläufe besser organisiert und umgesetzt werden. Verzögerungen durch Wartezeiten bei Untersuchungen etc. sind ein Kostenfaktor der noch zu wenig wahrgenommen wird. Verbesserungspotential ist daher in wohl jedem Krankenhaus vorhanden.

Weiter ging es mit einem Vortrag durch den Professor der HS Osnabrück, Dr. Moers. Von ihm wird vielen der Teilnehmer dieses Zitat in Erinnerung bleiben: "Der sogenannte weiche Faktor Pflege kann zu harten Konsequenzen führen". Gemeint ist die Tatsache, dass gute Pflege oft erst erkannt wird, wenn sie eben nicht da ist. Dazu verweist er auf die Tatsache, dass Studien bereits mehrfach nachgewiesen haben, dass qualifizierte Pflegekräfte zu weniger Todesfällen auf der Station führen.

Akademisierte Pflegekräfte sind kein Kostenfaktor

Mit Alexander Pröbstl hat man ein Vorstandsmitglied des Uniklinikums Bonn als Redner gewonnen. Er referierte über die Themen Personalgewinnung- und bindung und nannte Beispiele aus dem Unternehmen, wo verstärkt auf akademisierte Pflegekräfte gesetzt wird. Dies hat, entgegen des oftmals genannten Arguments, nicht zu einer Kostensteigerung geführt. Im Gegenteil haben diese Mitarbeiter durch verschiedene Projekte Kosten gesenkt und gleichzeitig bei Krankenkassen mehr Geld gewinnen können. Pflegewissenschaftler werden dort beratend in die Managementebene einbezogen. Die Frage, wie der Schlussel von Akademisierten PK - Gesundheits- und Krankenpflegern- Pflegehelfern ist, blieb leider offen. Ich versuche dies noch noch in Erfahrung zu bringen. Das Konzept der Uniklinik ist auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert, einhergehend mit der Frage der Übertragbarkeit auf kleinere Häuser.

Ist das Gras im Ausland grüner?

Referenten aus Sönderborg (DK) und Enschede (NL) gaben einige Eindrücke über den Tellerrand. Dabei wurde deutlich, dass in Europa das Pflegestudium seit Jahrzehnten etabliert und alternativlos ist. Die Studiendauer beträgt 3,5 bis 4 Jahre und endet mit einem Bachelorabschluss. Die Pflegekräfte sind generalistisch ausgeprägt und vertiefen sich in einen Fachbereich ihrer Wahl. Im Anschluss daran sind Weiterbildung, vergleichbar mit denen in Deutschland (z.B. Intensivpflege, etc.) optional.
Die durch die Moderation angespielte Frage, ob im Ausland "das Gras grüner sei, als hier" konnten beide nicht abschließend beantworten. Auch im Ausland sind ähnliche Trends wie in Deutschland zu beobachten. Kürzere Liegezeiten, Personalkürzungen sind auch hier zu finden. Einen Überblich findet man hier. 
Herr Fierdag aus dem Ludmillenstift in Meppen teilte seine Erfahrungen der Etablierung von "Primary Nursing" im eigenen Haus mit den Zuhörern.

"Das Problem ist, dass es kein Problem gibt!" 

..ist ein Zitat von ihm. Die Patienten scheinen Primary Nursing nicht zu benötigen, um mit den Pflegekräften zufrieden zu sein. Daher ist Primary Nursing, welches im Haus als eine Art "Ideal" umgesetzt werden sollte,nur in einer Station vollständig etabliert. Weitere Daten dazu werden folgen.

Der darauf folgende Referent, Herr Langheim, ist Heimleiter und widerspricht den Erfahrungen aus dem Ausland. Seiner Meinung nach sollte Pflege nicht generalisiert, sondern differenziert werden. Er zieht dazu den Vergleich zu den Kaufleuten, die sich in verschiedenste Zweige aufgeteilt haben. Warum dieses wirklich Sinn ergeben soll, erklärte er jedoch nicht. Allgemein ist mir bei ihm ein wenig der Bezug zur Professionellen Pflege zu kurz gekommen. Sein durch eine gute Portion Humor erfrischender Vortrag enthielt als einzige direkte Forderung an die professionelle Pflege, dass diese das Recht erhalten sollte Hilfsmittel selbstständig zu verschreiben.

Den letzten Vortrag hielt Dr. Runde von den Niels-Stensen-Kliniken, Georgsmarienhütte. Er geht insbesondere auf Führungsqualitäten und Anforderungen an Pflegende als Führungskräfte. Seine drei wichtigen, wenn auch sehr Provokanten, Thesen, die auch hier ihre Erwähnung verdient haben:
1.  Zufriedenheit der Mitarbeiter darf nicht im Zentrum stehen.
2.  Management ist nicht mehr und nicht weniger als Hausfrauenarbeit
3.  Die Psychologie in der Management-Forschung wird überbewertet

Alle, auch die weiter oben genannten Thesen, verdienen eine weitere Beleuchtung und werden demnächst im Blog aufgegriffen werden. Die Präsentation werden in kürze online abrufbar sein.

Ich muss sagen, dass die Veranstaltung, moderiert von Frau Dr. Hotze, sehr gelungen war. Die Teilnehmer aus Forschung, Lehre, Pflegepraxis und -management haben somit einen Blick über den Tellerrand werfen können und sich über verschiedene Sichtweisen auszutauschen.

1 Kommentar:

  1. Hallo Johannes,
    toller Artikel. Ich selbst habe auch einen pflegebedürftigten Vater und hab mich auf diesem Blog schon sehr gut zu dem Thema Pflege informiert. Ich wollte mich demnächst auch mal bei www.naheimst.de/service/beratung/seniorenberatung/ beraten lassen, leider weiß ich nicht ob die dort so seriös sind.
    Über Hilfe würde ich mich sehr freuen.
    LG Phillip

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