29.07.2014

Hausnotruf für Senioren- Sicherheitsgefühl schaffen

Für fast jeden Senioren, den man im Berufsalltag kennenlernt, gilt das Ziel möglichst lange "nicht ins Heim" zu müssen. Der Wunsch danach, möglichst lange zu hause leben zu können ist definitiv verständlich, und wenn man sich zum Beispiel mit der Demenz beschäftigt wird klar, dass es dem Menschen in seiner vertrauten Umgebung am besten geht.

Da viele Senioren jedoch zu hause alleine wohnen, haftet diesem Wunsch für viele Angehörige eine große Unsicherheit an: "Was ist denn, wenn etwas passiert?" ist die Frage, die sich in dieser Situation sowohl dem Senioren als auch den Angehörigen stellt.
Gedanken dazu gemacht haben sich zum Beispiel die Malteser mit ihrem "Hausnotruf". Das System ist denkbar einfach: Der Senior bekommt einen Sender, der auf Knopfdruck mit einer zentrale verbindet, welche dann entscheidet, ob ein Angehöriger gerufen wird, oder direkt ein Krankenwagen.

Ich denke, für viele Personen stellt es jedoch ein Problem dar, ständig einen roten Sender am Handgelenk zu tragen (/zu müssen). Man Bedenke, dass es nicht wenige Menschen gibt, die aus Eitelkeit keinen Rollator nutzen  und sich stattdessen in der eigenen Wohnung isolieren.
Hinzu kommt, dass der Preis für jemanden, der keine Pflegestufe hat abschreckend ist. Bei Pflegestufe für den Senioren keine Kosten, die die Krankenversicherung diese übernimmt. Ansonsten werden monatlich 18,36€ fällig (Mindestpreis), welcher sich durch weitere Leistungen, die dazugebucht werden können, erhöht und je nach Region variabel ist.
Die jährlichen Kosten belaufen sich dann auf über 210€, was für einen Rentner ggf. abschreckend wirkt, auch wenn ich persönlich denke, dass einem die Gesundheit das Wert sein sollte.

So sieht die Uhr getragen aus
Fakt ist jedoch, dass es zum einen Menschen gibt, die aus genanntem Grund den Sender nicht mit aus dem Haus nehmen würden, auf der anderen Seite Menschen den Sender schlichtweg vergessen würden. Daher halte ich den Sender für noch eher "mobile" Senioren den Sender nicht für das Patentrezept.


The Swiss Emergency Watch.


Auf der Suche nach Alternativen stieß ich auf die "Limmex Emergency Watch", welche zunächst wie eine normale Uhr aussieht. Das Feature liegt am großen Knopf an der rechten Seite der Uhr: Der Notrufknopf. Durch das Drücken des Knopfes wird eine Notrufkette in Gang gesetzt, welche man online selbst programmieren kann. Dabei kann jede beliebige Nummer in Deutschland gewählt werden, sodass man Nachbarn, die Nummer des ambulanten Pflegedienstes oder das Handy des Enkels erreichen kann. Notrufnummern (z.B. 112) können aus rechtlichen Gründen jedoch nicht gewählt werden. Geht die erste Person nicht an das Telefon, ruft die Uhr automatisch die nächste Person an.

Limmex Notfalluhr am Handgelenk

Die Möglichkeit, die LIMMEX-Uhr (Modell: Classic 02)  zu testen nutze ich etwa drei Wochen. Dabei trug ich sie zunächst als Ersatz für meine eigene Uhr, um einfach das "Tragegefühl" einschätzen zu können. Die Uhr wirkt mit ihrem Lederarmband und dem robusten Metallgehäuse sehr robust. Leider wirkt die LIMMEX-Uhr, wie man auf dem Bild links auch sieht, etwas klobig, was mich persönlich etwas gestört hat. Da die Technik sicherlich seinen Platz braucht, ist mir klar, dass dies vielleicht nicht anders zu lösen ist, jedoch denke ich, dass für einen Senioren dann ein ebenfalls größeres Ziffernblatt hilfreich wäre um auch bei schlechter werdenden Augen noch problemlos die Uhr lesen zu können.
Um die Uhr als Notruf-Uhr nutzen zu können, müssen die Notrufnummern Online eingespeichert werden. Dies halte ich für die meisten Senioren für zu kompliziert. Darüberhinaus ist die Seite auch nicht behindertengerecht erstellt- daran sollte definitiv noch gearbeitet werden.
*Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es auch einen Bestellschein zur Aktivierung per Post gibt, was diese Problematik natürlich formal löst.

Hat aber Sohn oder Enkel die Uhr in Bezug auf die Nummern eingerichtet, ist sie im Prinzip "idiotensicher", wie man so schön sagt. Der Erwähnte Knopf an der Seite ist groß und leicht einzudrücken. Sollte er einmal versehentlich gedrückt werden, so reicht ein erneutes drücken innerhalb von zehn Sekunden- dafür gibt es auf jeden Fall den Daumen nach oben.

Alles auch eine Kostenfrage


Natürlich will ich auch hier die Kosten nicht unerwähnt lassen. Die von mir genutzte Testuhr kostet als solche 449,00€. Hinzu kommt ein Abo für die Anrufe. Dieses gibt es ab 149,00€ im Jahr. Wie es mit Zuschüssen durch Versicherungen aussieht, konnte ich jedoch leider nicht herausfinden. Die Jährlichen kosten sind jedoch im Verlgeich zum Hausnotruf ca 60€niedriger, sodass nach einigen Jahren auch der Anschaffungspreis der Uhr gedeckt ist. Daher kann die Uhr preislich definitiv mit dem Hausnotruf konkurrieren

Fazit


Mein Fazit ist, dass man die beiden erwähnten Systeme wohl nur bedingt miteinander vergleichen kann. Während der Hausnotruf innerhalb von Sekunden einen Rettungsdienst organisiert, geht es bei der Limmex- Uhr um den schnellen Kontakt zu Angehörigen. Die Zielgruppen sind ebenfalls sehr verschieden, da der Hausnotruf eher für Menschen ist, die den überwiegenden Teil des Tages im Haus verbringen, während die Notruf-Uhr wirklich für Menschen ist, die mobil sind und bleiben möchten. Daher ist die die Anschaffung der Uhr wohl insbesondere VOR einer Pflegebedürftigkeit sinnvoll, während der Hausnotruf für Menschen die bereits Pflegebedürftig sind sinnvoll ist.
Fakt ist, dass beide Systeme dem Senioren ein Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen, da sie im Bedarfsfall jederzeit Hilfe anfordern können. Dementsprechend ist es wohl wichtig zu sehen, wie sich der Senior individuell entscheidet, mit welcher Möglichkeit er sich am Sichersten fühlt. Alles in allem gebe ich der LIMMEX- Uhr sehr gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren. Insbesondere, da noch mobilere Senioren sich für die Uhr entscheiden können, werden sie diese auch bis in das hohe Alter hinein nutzen. Möglicherweise sind sie dann auch bei beginnender Demenz in der Lage diese Uhr weiter zu benutzen, anstatt sich bei bereits bestehender Demenz an einen Hausnotruf zu erinnern.
Um eine geeignete Möglichkeit des Hausnotrufes zu finden haben diverse Anbieter die "Initiative Hausnotruf" gestartet. Seit über 30 Jahren wirbt sie für das System eines Hausnotrufes und informiert die Öffentlichkeit über die aktuellen Entwicklungen.
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Kommentare:

  1. Tolles Blog!! Sie können auch gerne unser Blog & Web zum Thema Pflege besuchen.
    http://www.tta-personalmedizin.de & http://tta-personalblog.com

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  2. Toller Artikel. Schau doch mal bei meinem blog vorbei

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Bei einem Blog mit dem Namen "Pflegekritik" verstehe ich nicht wirklich, dass nicht direkt auf den Malteser-Notruf verlinkt wird, sondern auf einen Vermittlungsdienst. Bei der Initiative Hausnotruf - http://www.initiative-hausnotruf.de/18.html - findet man seriöse Hausnotruf-Anbieter oder im BLiCKpunkt-Magazin - http://www.blickpunkt.net/hausnotruf/ - lesenswerte Beiträge mit Hinweisen auf die Anbieter direkt...

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    1. Der Malteser-Hausnotruf ist doch ebenfalls erwähnt und verlinkt. Die Initiative Hausnotruf war uns bis dato nicht bekannt, scheint aber eine gute Möglichkeit zu sein, um optimale Entscheidungsfreiheit zu gewährleisten. Wir bedanken uns daher für den Hinweis und nehmen das gerne auf!

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    2. ... gern geschehen - aber geändert haben Sie den Link trotzdem nicht - schade um die Mühe

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  5. Hallo, danke für den tollen Artikel!
    Wolte noch ergänzen, dass die Limmx Notruf-Uhr auch in Österreich erhältlich ist.
    Infos unter: www.limmex-austria.at

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  6. Hallo, sehr interessanter Artikel! Allerdings sollte man noch erwähnen das es mittlerweile auch Notrufsyteme gibt die genauso funktionieren wie die von einem Hausnotrufdienst (wie bspws. hier: http://senioren-notruf-fuer-zuhause.de) , sprich ein Notfallarmband oder Halsband in Verbindung mit einem Empfänger wie z.B. einem Handy oder einem Festnetztelefon. Interessant sind auch Geräte bei dem der Empfänger einfach nur ein akustisches Signal ausgibt. Diese sind aber natürlich nur sinnvoll wenn der Senior im gleichen Haus wohnt. Aber ich gebe dir Recht, dass es immer auch auf die eigenen Bedürfnisse und die Lebensumstände ankommt wofür man sich letztendlich entscheidet. VG Ralf

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  7. Sehr gut beschrieben, vor allem der Selbst Test . Bei der Uhr sind bei mir noch fragen offen geblieben. Bei Druck auf den Hausnotruf meldet sich jemand über einen Kasten. Ein Kontakt entsteht und die Problematik besprochen werden um dann die erforderliche Lösung einzuleiten. Wie sieht es bei der Uhr aus? Wie findet dieser Kontakt statt? Dann als mobiler Mensch. Dieses Teil macht für mich nur Sinn, wenn die Bedienung eines Handys nicht mehr möglich ist und mich verbal nicht äußern kann. Wie werde ich dann gefunden?

    Liebe Grüße

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