01.04.2014

Beratung von Angehörigen demenziell erkrankter Menschen

Die Beratung von Angehörigen demenziell erkrankter Menschen wird in meinen Augen zunehmend wichtiger. In Deutschland leben verschiedenen Schätzungen zu folge bereits 1,2 Millionen Menschen mit Demenz(vgl. Hallauer, et. al. , 2000)- Tendenz steigend. So  sagen Experten in Folge des demographischen Wandels, sofern kein Durchbruch in der Therapie der Demenz gelingt voraus, dass sich die Zahl der Erkrankten bis 2050 verdoppeln wird. (vgl. Weyerer und Schäufele, 2004) Dementsprechend gibt es viele Menschen, die für eine Beratung in Frage kommen würden, insbesondere weil es ein sehr komplexes Thema ist und sich die Erkrankung sehr individuell auswirken kann, sodass die eigene Recherche des Angehörigen schnell an Grenzen stoßen könnte. Im Folgenden möchte ich beschreiben auf welche zentralen Aspekte die Beratung von Angehörigen demenziell Erkrankter eingehen muss, damit sowohl der Erkrankte, als auch sein Angehöriger einen Nutzen daraus beziehen können.


 Krankheitsbild Demenz               

 Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass es „den Dementen“ nicht gibt. Jede Form der Demenz ist anders und variiert zudem sehr stark in den verschiedenen Stadien. In der Fachliteratur versteht man unter Demenz eine:   
     „Alltagsaktivitäten beeinträchtigende, erworbene Störung des Gedächtnisses und weiterer kognitiver Funktionen die über mindestens 6 Monate (..) besteht“ (Pschyrembel, 2013)

Um begreifen zu können, was die Demenz für die Betroffenen bedeutet, habe ich den Kontakt zu demenziell Erkrankten im Krankenhaus während der Arbeit auf Station dazu genutzt, diese direkt zu ihrer Krankheit zu befragen.   Dabei kam ich zunächst zu dem Ergebnis, dass insbesondere Demente in frühen Stadien sehr gut über ihre Krankheit informiert sind, und ihre Ängste relativ genau Artikulieren können. Sie beschreiben den Krankheitsverlauf nicht als linear. Sie spüren wie sie in einigen Momenten auf Fragen schnell und korrekt antworten, und in anderen Momenten dies nicht gelingt. Im Vergleich dazu ist eine bis in das Endstadium fortgeschrittene Demenz mit Blick auf Kommunikation wesentlich problematischer. Patienten im Endstadium reagieren auf Ansprache nicht mehr und sind nicht in der Lage eine pflegerische Versorgung unter Anleitung umzusetzen oder diese zumindest zu unterstützen. In der Pflege führt die Kommunikation mit Menschen die an Demenz erkrankt sind daher oft zu Frustration und Konflikten. Aus dem Alltag kennt man als Pflegekraft Aussagen wie „Herr Müller, ich habe ihnen jetzt schon 1000 Mal gesagt, dass Sie im Krankenhaus sind!“  Doch daran, dass Herr Müller denkt, er säße in einem Zug ändert sich auch nach 2000-maligem sagen nichts. Die Kommunikation findet in solchen Fällen hauptsächlich als sogenannte „Einbahnstraßen-Kommunikation“ statt, was bedeutet, dass der Pflegende auf seine Aktion vom zu Pflegenden keine Reaktion zurück bekommt. Frustration und Aggression baut sich dadurch bei beiden Seiten auf.

   Für Pflegende scheint es von größter Bedeutung zu sein, dass Demenzkranke auf Kommunikationsversuche reagieren. (vgl. Athlin et al., 1987)  

und zu wissen, wie sie mit diesen Reaktionen umgehen müssen. Sobald die Reaktionen ausbleiben oder nicht mehr zu deuten sind, sind Konflikte wahrscheinlich. Aufgrund eines vorherrschend medizinischen, biologistischen Demenzbildes sind alternative Interventionsformen, abseits der medikamentösen Behandlung, bislang nicht ausreichend untersucht worden. Potentiell hilfreiche Maßnahmen, die sich in der Praxis oftmals bewährt haben, wie zum Beispiel Märchentherapie, Biographiearbeit, etc. bauen jedoch alle auf Kommunikation auf, was mich zu der Überzeugung bringt, dass diese bei der Pflege von Menschen mit Demenz einer der wichtigsten Faktoren ist und diese in der Beratung von Angehörigen eines an Demenz erkrankten Menschen in jedem Fall ausführlich zu berücksichtigen ist.

 Ziele der Beratung 


Aus dieser Schlussfolgerung heraus gehe ich davon aus, dass die Beratung hinsichtlich einer geeigneten Kommunikation von großer Bedeutung ist, um problemlösend Beraten zu können. Darüber hinaus spielen Themen zur Finanzierung benötigter Pflegehilfsmittel, oder -dienste und die Möglichkeiten zur Schaffung von Erholungsmöglichkeiten für den Angehörigen eine Rolle. In diesem Zusammenhang soll das Belastungserleben der Angehörigen dauerhaft minimiert werden, was dadurch gewährleistet werden muss, dass dem Angehörigen die geeigneten Techniken zum Umgang gezeigt, Behörden und Institutionen die unterstützend tätig sind aufgezeigt werden, sodass der Angehörige dauerhaft selbst in der Lage ist, die Situation zu beherrschen und sich im Bedarfsfall selbstständig Hilfen zu organisieren.

Setting der Beratung


 Die Beratung sollte so sein, dass der Beratende díe Lebenswelt des Angehörigen und des Betroffenen selbst wahrnehmen kann und so auf die Bedürfnisse beider Parteien individuell eingehen kann. Dies ist möglich, wenn die Beratung zum Beispiel in der Wohnung des Betroffenen stattfindet, sodass er die Situation selbst erlebt. Dabei ist es relativ unerheblich, ob nur ein Angehöriger zugegen ist, oder, zum Beispiel wenn der Betroffene in einer Familie lebt, diese dabei ist. Der Berater muss als Ansprechpartner aller Beteiligten zur Verfügung stehen und die Bedürfnisse von jedem von ihnen beachten um eine dauerhafte Lösung finden zu können. Aufgrund der komplexen Situation wird es nicht reichen, dass man mit einer Beratungssitzung, die ja in der Regel etwa 30-60 Minuten dauert, langfristige Lösungen erarbeiten kann. Mehrere Sitzungen, die sich auf die folgenden Aspekte im speziellen konzentrieren erscheinen daher meiner Meinung nach am sinnvollsten, um einer individuellen Beratung gerecht werden zu können.

Teil einer kleinen Reihe zum Thema Demenz.
Hier geht es zum Teil 2 der sich mit Bezügen zur Kommunikation beschäftigt.
Hier geht es zum Teil 3 der sich u.a. mit finaziellen Aspekten beschäftigt.   Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

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