17.04.2014

Beratung und Demenz Teil 3

Finanzielle und versorgerische Aspekte

 Nachdem man durch die Erleichterung der Kommunikation eine gewisse Erhöhung der gegenwärtigen Lebensqualität erreicht hat, muss auch an die Zukunft gedacht werden. Insbesondere werden sich auf Dauer Fragen zur Finanzierung auftun, wenn zum Beispiel spezielle Pflegemittel oder generell eine pflegerische Versorgung notwendig wird. Im Wirrwarr deutscher Gesetze und Vorschriften ist es für Laien sicher nicht leicht den Überblick zu behalten. Daher ist es wichtig den Angehörigen die wichtigsten Stufen zu Zeigen, wo diese dann individuell entscheiden müssen, was für sie die beste Lösung ist. Generell zu empfehlen ist jedoch, dass eine sog. „Vorsorgevollmacht“ erstellt wird. Da der Betroffene in naher oder ferner Zukunft seinen Willen nicht mehr selbstständig äußern können wird, ist es wichtig, dass ein Angehöriger rechtlich dazu autorisiert ist, dies an seiner Stelle zu tun. Ist diese Vollmacht umfassend genug entfällt auch die Notwendigkeit einen Betreuer zu ernennen, da die Vollmacht diese Bereiche ebenfalls abdecken kann.(vgl. Bärbel Schönhof,2009) Zusätzlich zur Vollmacht sollte eine Patientenverfügung erstellt werden, welche zum Beispiel regelt, welche lebenserhaltenden Maßnahmen, wie lange, durchgeführt werden sollten, damit die Angehörigen nicht selbst solch durchaus belastende Entscheidungen treffen müssen und immer die Angst haben müssen, eventuell doch gegen den Willen des Betroffenen gehandelt zu haben. Aktuelle Gerichtsurteile bestätigen die Verbindlichkeit einer solchen Patientenverfügung.:

 „Seit dem 1.1.2009 ist die Verbindlichkeit der Patientenverfügung gesetzlich geregelt (§§ 1901 a, b BGB). Danach sieht der Umgang mit Patientenverfügungen wie folgt aus: Bei Vorliegen einer Patientenverfügung prüft ein Betreuer/Bevollmächtigter, ob die in der Patientenverfügung getroffenen Anweisungen auf die aktuelle Lebens­ und Behandlungssituation zu treffen. Wenn dies der Fall ist, hat der Betreuer/Bevollmächtigte dem geäußerten Willen Ausdruck und Geltung zu verschaffen.“ (Ebenda)

 In den meisten Fällen spielt die Frage nach der Finanzierung der Pflege eine große Rolle, welche sich ebenfalls belastend auswirken kann. Hierbei kommt den Angehörigen das seit 2013 gültige Pflegeneuausrichtungsgesetz zu gute. Dieses sieht nämlich vor, dass auch Menschen die bislang in keiner Pflegestufe erfasst werden konnten Hilfen in Anspruch nehmen können, wenn sie Einschränkungen in ihrer Alltagskompetenz aufweisen. Das bedeutet konkret, dass der Betroffene sich zwar selbstständig waschen oder anziehen kann, dazu aber Anleitung benötigt. Wichtig ist also, dass zeitnah zur Diagnose der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) hinzugezogen wird um die Einschätzung vornehmen zu lassen. Das Geld wird mit Antragstellung gezahlt, sodass eine frühe Antragstellung sich in jedem Fall lohnt. Außerdem sieht das Gesetz Verbesserungen für die Erholung des Angehörigen vor: Machen Angehörige Gebrauch von der Kurzzeit­ oder Verhinderungspflege, sollen sie für jeweils bis zu vier Wochen je Kalenderjahr weiterhin die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes erhalten. (Bundesministerium für Gesundheit, 2012) und: Das Pflege­Neuausrichtungs­Gesetz verbessert außerdem die Rahmenbedingungen, wenn pflegende Angehörige Vorsorge­ und Rehabilitationsangebote nutzen: Mit dem Pflege­Neuausrichtungs­Gesetz wird ausdrücklich klargestellt, dass dabei die besonderen Belange der pflegenden Angehörigen zu berücksichtigen sind.
 Pflegende Angehörige sollen bei einer eigenen Rehabilitationsmaßnahme zudem die Möglichkeit haben, den Pflegebedürftigen mitzunehmen. Denn oft sind Angehörige erst dazu bereit, solche Angebote anzunehmen, wenn der Pflegebedürftige in der Nähe sein kann. (Ebenda) Pflegende Angehörige stehen oftmals in einem gewissen Zwiespalt, da sie einerseits die meiste Zeit mit dem Betroffenen verbringen und selbst der Meinung sind, dass sie „Auszeiten“ verdienen, andererseits jedoch nicht in den Urlaub oder in eine Kur fahren möchten, damit der Betroffene nicht allein in einer fremden Umgebung bleibt. Daher finde ich die Möglichkeit den Betroffenen in eine Kur mitzunehmen sehr Praxistauglich, sofern der Betroffene im Kurort dann nicht wieder ausschließlich vom Angehörigen betreut wird.
 Sobald mehrere Angehörige sich um einen Betroffenen kümmern ist es sicherlich sinnvoll, dass diese sich gewisse Ruhezeiten zuteilen, sodass nicht alle von ihnen durchgehend im Kontakt mit dem Betroffenen stehen. Dies führt dazu, dass zum einen die Angehörigen Abstand zur Situation gewinnen können und zum Anderen der Demente nicht mit einer Vielzahl von Personen konfrontiert zu sein.

 Maßnahmen um Angehörige zu informieren

 Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Belastungserleben der Angehörigen so weit es geht einzudämmen. Der Interviewstudie entnehme ich anhand der Tatsache, dass das Belastungserleben des Angehörigen unabhängig davon ist, welchen Grad der Demenz der  Betroffene hat, dass eine pflegerische Intervention in Bezug auf Kommunikation ein wichtiger Indikator für die erlebete Belastung darstellt. Zusätzliche Sicherheiten zu geben durch die Beratung zu beispielsweise finanziellen oder versorgerischen Fragen kann den Angehörigen ebenfalls helfen, sich nicht mit der Situation überfordert zu fühlen. Insbesondere dadurch, dass man dem Angehörigen die richtigen Stellen für verschiedene Hilfen aufgezeigt hat, kann dieser davon langfristig profitieren. Mit der erlebten Belastung geht auch Lebensqualität einher- für den Angehörigen, wie auch den Betroffenen. Die Maßnahmen, die den Angehörigen informieren und fortbilden kommen daher im Endeffekt beiden Parteien zugute, sodass die Senkung des Belastungsempfindens auch ein Kerninteresse der Pflege sein sollte. Das Internetportal „Wegweiser-Demenz“ stellt in diesem Zusammenhang die optimale Anlaufstelle dar. Die dortige Datenbank an Anlaufstellen für jegliche Situation im Bezug auf Demenz würde an dieser Stelle jeden Rahmen sprengen. Zusätzlich überzeugt dort die einfache Bedienung. Man gibt ein Stichwort ein wie z.B. „Gedächtnissprechstunden“ und gibt seinen Ort, sowie einen Umkreis ein, in dem man dieses Angebot nutzen kann/möchte. Und binnen Sekunden hat man alle Einrichtungen die dieses Angebot haben herausgefunden. Dadurch, dass die Ergenisse dort dauerhaft aktualisiert werden, und somit auch noch Wochen, Monate und Jahre später aktuell sind, ist diese Variante sicher sinnvoller als das bereitstellen verschiedener Broschüren, die nach einigen Monaten oftmals schon nicht mehr zu gebrauchen sind.   Fazit Die Beratung von Angehörigen eines an Demenz erkrankten Menschen wird zunehmend wichtiger um die erlebte Belastung weitestgehend zu minimieren. Anhand der Tatsache, dass auch das seit 1.1.2013 in Kraft getretene Pflege-Neuausrichtungsgesetz sogenannte „Beratungsgutscheine“ für pflegende Angehörige vorsieht, lässt sich erkennen, dass dieser Bedarf Grundsätzlich schon da ist. Da jedoch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen dauerhaft steigen wird, sollte dieser Bedarf also weiterhin steigen. Es bleibt abzuwarten inwiefern dieser erhöhte Bedarf durch die bislang geschaffenen Stellen abgedeckt werden kann. Fakt ist, dass die Demenz den Betroffenen und die Angehörigen vor enorme Herausforderungen stellt, die man ohne notwendiges Hintergrundwissen wohl eher unzureichend bewältigen kann. Die mit der Beratung einhergehende Edukation der Angehörigen an sich ist daher schon ein wichtiger Schritt, um den Angehörigen zu ermöglichen sich weiter zu informieren, nachdem die „Basics“ sozusagen geschaffen wurden und die grundlegende Sicherheit durch geeignete Kommunikationswege, finanzielle Unterstützung und organisierte Erholungsphasen geschaffen ist. Die Beratung für Angehörige eines an Demenzerkrankten ist seit nun etwas mehr als einem Jahr gesetzlich implementiert und daher kann schon bald mit den ersten Zahlen zur Auslastung der Beratungsstellen sowie allgemeinen Zahlen der Anfragen gerechnet werden. Interessant wäre außerdem, welche Themenfelder dabei zeitlich am intensivsten behandelt werden, da dies natürlich Rückschlüsse darauf zulassen würde, wo die Angehörigen selbst Schwerpunkte sehen und wo somit noch ein großer Aufklärungsbedarf herrscht. In diesem Zusammenhang kann auch nicht unerwähnt bleiben, dass das verabschiedete Pflege-Neuausrichtungsgesetz zwar an vielen Stellen sehr zu wünschen übrig gelassen hat. Dabei beziehe ich mich beispielsweise darauf, dass der Begriff der Pflegebedürftigkeit nicht neu definiert wurde. Allerdings ist es für Angehörige von demenziell erkrankten Menschen ein großer Schritt nach vorne, da diese nun auf diverse Angebote zurückgreifen können, die vorher nur nach Einschätzung in eine Pflegestufe verfügbar waren. Tatsache ist aber auch, dass viele Leistungen davon sich nicht auf Betroffene bezieht, die bereits in einem Pflegeheim versorgt werden. Dies irritiert mich ein wenig, da es schließlich so ist, dass auf dauer immer weniger Menschen auf die Hilfe von Angehörigen zählen können, da die Familien in Folge des demographischen Wandels schließlich immer kleiner werden. Zwar ist die Pflegeversicherung als neues Instrument zur Finanzierung pflegersicher Leistungen vorhanden, doch einen Heimplatz können sich auch dadurch wohl nur die wenigsten leisten. Die Frage, was also auf Dauer mit demenziell erkrankten Menschen passiert bleibt auch nach einer Erschließung des Beratungsfeldes nicht gelöst und wird in naher Zukunft noch einer weiteren Diskussion benötigen.

Dritter und letzter Teil der kurzen Serie zum Thema Beratung und Demenz.

Hier geht es zum Teil 1 

Hier geht es zum Teil 2


Verwendete Literatur
-Athlin, E. et al (1987)  : Caregivers attitudes to and interpretatons of the behaviour of severely demented during feeding in a patient assignement care system. International Journal of Nursing Studies, 24 (2): 145-153

-Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend( 2002): Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland: Risiken, Lebensqualität und Versorgung Hochaltriger- unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen. Berlin. Bundesministerium für Gesundheit (2012): Das Pflege-Neu ausrichtungs-Gesetz. Berlin

-Engel, S (2007): Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen. LiT-Verlag, Erlangen.

-Hallauer, J.F., et. al. (2000)  : Untersuchung von Krankheitskosten bei Patienten mit Alzheimer-Erkrankung in Deutschland. Gesundheitsökonomie und Qualitätsmanagement, Thieme Verlag, 5, 73-79
-Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch (2013): 264. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin: S. 452

-Schönhof, B (2009): Das Wichtigste 10 Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung. Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Bochum.

-Weyerer, S., Schäufele, M. (2004): Die Versorgung dementer Patienten aus epidemiologischer Sicht. Zeitschrift für Gerontopsychologie&-psychiatrie, HansHuber Verlag. Vol. 17, No.1, 41               Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

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