06.03.2014

Petition: Mindestpflegepersonalbesetzung in dt. Krankenhäusern

Vor einigen Tagen wurde ich auf eine Onlinepetition aufmerksam gemacht, die sich für eine Mindestpersonalbesetzung in deutschen Krankenhäusern ausspricht.
Im ersten moment war klar: Gute Sache, das kann ich unterschreiben. Als ich dann jedoch den Petitionstext las, wusste ich, dass etwas nicht stimmt.
Die Praktiker unter uns kennen das Problem: Die Station ist voll, das Geld ist knapp und das Personal ist zu knapp geplant worden. Einspringen kann und will niemand, man hat mal wieder den größten Stress- denkt man, doch dann meldet sich zusätzlich noch jemand krank und man denkt sich: alles klar, das wird schön.

Doch um dieses Problem zu lösen greift meiner Meinung nach eine festgesetzte Quote, die sich woraus auch immer, zusammensetzt wohl nicht. Meiner Meinung nach ist dies nämlich im Grunde einfach nicht radikal genug. Radikal klingt schon wieder so rebellisch, widerspenstig, doch im Grunde meint der Begriff ja, dass man etwas an der Wurzel angreifen möchte- und diese Wurzel ist in meinen Augen die Fallpauschale, die eine pflegerische Grundversorgung nicht ausreichend gewährleistet.

Das eigentliche Problem nicht erfasst

Damit kommen wir schon zum wichtigsten Punkt, der gegen das Unterschreiben dieser Petition spricht: Alternative Finanzierungsmöglichkeiten werden nicht benannt, die erhöhten Personalkosten würden also 1 zu 1 auf die Häuser übertragen, die ohnehin schon am absoluten  Minimum angelangt sind.
Um nicht zu sagen: Ich nehme meinem Arbeitgeber ab, dass er die finanziellen Mittel nicht hat, die Stationen mit Personal auszurüsten. Unabhängig davon, hat er aus ökonomischer Sicht auch garkein Interesse daran, mehr Personal zu setzen, da sich dies nach aktuellen Kriterien nicht rechnet.

Was also stattdessen gefordert werden muss:
-Qualität muss belohnt werden!
Fakt ist, dass über die Fallpauschale viel zu allgemein abgerechnet wird. Dies wird durch den Zusatnd, dass zunehmend multimorbide Patienten eingeliefert werden weiter verschärft. Das, was also pflegerisch notwendig ist, kann nciht abgerechnet werden, wird also auf Kosten des Hauses getan. Das Ergebis wird nur unzureichend evaluiert, sodass sich die Abrechnung immer mehr zu ungunsten der Pflege entwickelt.
In meinen Augen wäre es zum Beispiel sinnvoll, dass Häuser die erwiesenermaßen überdurchschnittlich Hygienisch arbeiten (gemessen an nosokomialen Infektionen) oder niedrige Sturzraten aufweisen, einen finanziellen Zuschuss bekommen, sodass es einen Anreiz gibt in Pflegequalität zu investieren, statt wie bisher in Quantität (Mehr Fälle, kürzere Liegezeiten).
Dies würde nämlich automatisch dazu führen, dass mehr Pflegepersonal eingesetzt wird, da eben gute Pflegequalität auch davon abhängt, welches Arbeitspensum auf einen einzelnen Pflegenden zu kommt und nicht zuletzt auch darauf, welchen Ausbildungsstand diese Pflegeperson dann hat.

-Fallpauschalen der Realität anpassen!
Fakt ist, dass sich die medizinisch-pflegerische Grundversorgung in der Fläche nicht mehr lukrativ anbieten lässt. Dies führt zu einer immer weiteren Spezialisierung der Kliniken auf Krankheitsbilder, die besonders hohen Ertrag bringen. Die Allgemeinversorgung bleibt auf der Strecke, wobei auch hier die Bevölkerung als solche Alarmschlagen müsste. Dem gegenüber steht, dass spezialisierte Kliniken gefahrlaufen ihre Existenz zu verlieren, sobald das Geld für bestimmte Dinge gekürzt wird, da sie im Gegensatz zum allg. Krankenhaus keine Mischkalkulationen aufweisen, wo eine Fachrichtung die andere mitziehen kann. Wir reden also auch hier wieder faktisch über Arbeitsplätze die bedroht sind.

Mein Fazit ist: Ich werde diese Petition nicht unterschreiben, da sie in dieser Form eine Gefahr für die Kliniken darstellt, und das eigentliche Problem nicht beim Namen nennt. Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

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