24.02.2014

Generalistische Ausbildung- eine Anpassung an die Zukunft

Als ich gestern den Eckpunkte Entwurf der Regierung kurz anriss, habe ich noch vorausgesetzt, dass die generalistische Ausbildung mehr oder weniger populär wäre und somit von allen angestrebt wird. Kommentare hier und auf anderen Plattformen ergaben aber, dass viele bislang noch wenig bis gar nichts über diese Form der Ausbildung wissen und demnach eher skeptisch sind. Ich versuche im Folgenden die Notwendigkeit einer generalistisch ausgerichteten Ausbildung zu beschreiben.
Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass die Anforderungen an die Pflege sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sich deutlich verändert haben. Im Vergleich dazu, sich die Berufsausbildung sich jedoch nur geringfügig angepasst hat. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die allgemeine Demographie: Können es sich die Schulen leisten, regelmäßig Klassen mit Gesundheits- Kinderkrankenpflegern zu eröffnen, wo doch der Bedarf im Allgemeinen sinkt? Kann man es den an dieser Ausbildung Interessierten zumuten, für einen Platz in einer solchen Klasse täglich xy Kilometer zu fahren?
Oder an das andere Ende der Demographie-Säule geschaut: Erlebt ein Altenpfleger in seinem Beruf täglich soviel entscheidend anderes als ein Gesundheits- und Krankenpfleger, wo doch das Durchschnittsalter der Patienten im Krankenhaus sich immer weiter erhöht?
Tatsache ist, dass alle drei Berufe sehr viel gemeinsam haben, im Grunde mehr als sie Unterschiede aufzeigen.
Der Unterschied in den Ausbildungen besteht vielmehr in der Spezifizierung des Wissens. Aber das Argument der Gegner, dass unter einer generalistischen Ausbildung die Qualität leiden würde ist ein Trugschluss der einhergeht mit der Befürchtung, die Ausbildung würde zusammengeschrumpft und verkürzt werden. Das wäre natürlich fatal, aber so auch nicht geplant. Aus den Eckpunkten geht hervor, dass die Ausbildung weiterhin 3 Jahre dauern soll. Wenn man sich nun die Modellprojekte, zum Beispiel in Bremen ansieht, erkennt man, dass nach diesen 3 Jahren aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.
Dies hängt vom Modell ab, mit dem man in Zukunft fahren will. Im verlinkten Beispiel mussten die Schüler alle drei Examen ablegen inklusive aller Prüfungen. Das ist auf Dauer natürlich Quatsch und ist wahrscheinlich wegen der Gesetzeslage so notwendig gewesen.
Aber wenn beispielsweise nach dem allgemeinen Examen eine Spezifizierungsphase von etwa einem halben Jahr folgen würde, warum sollten dieser Leute weniger gut ausgebildet sein, als die bisherigen? Eben dieses breit aufgestellte und ganzheitlich vermittelte Wissen ist doch ein riesiger Vorteil gegenüber den klassisch ausgebildeten.

Daher weiter zu den Vorteilen: Ein weiteres aktuelles Problem, auf das reagiert werden muss ist der vorhandene Mangel an Berufsschullehrern. Auch hier könnte durch die generalisierte Ausbildung entgegengewirkt werden. Da nicht in Schulfächern, sondern vielmehr in Modulen unterrichtet wird, könnten Lehrer die bislang ausschließlich eine Gruppe der vorher 3 Pflegeberufe unterrichtet haben, plötzlich alle 3 unterrichten. Dies fördert natürlich auch gleichzeitig den Austausch des Wissens und ist demnach ein Gewinn für die Beteiligten.
Im übrigen muss man sich dauerhaft fragen: Wie kann es gelingen, den Beruf für Schulabgänger attraktiv zu machen? Diese sind in der Regel daran interessiert, dass der Beruf für sie Aufstiegschancen bereithält. Daher ist das System der nachträglichen Spezifizierung ein geeignetes Mittel, um diesen Effekt zu erreichen. Die Schüler müssen sich nicht zu beginn in eine bestimmte Richtung drängen lassen, zu der sie dann - etwas überspitzt- ihr Leben lang verpflichtet sind.
Es gibt sicher noch viele weitere Argumente für diese Form der Ausbildung aber auf mich wartet jetzt erstmal mein Mittagessen. Zu guter letzt nur noch mein Standartsatz in Bezug auf Leute, die gegen Reformen in der Pflege sind: Wir haben in Deutschland im europäischen Verlgeich das altmodischste System der Ausbildung im Bereich der Pflege, bei gleichzeitig vergleichsweise grauenhafter Qualität und auch Effektivität. Der Blick über den Tellerand lohnt sich- und doch scheint ihn keiner wagen zu wollen..



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