27.01.2014

Pflegetag 2014: Lernen Sie von der Pflege, Herr Gröhe!

Als Herr Gröhe, seines Zeichens neuer Gesundheitsminister unserer Republik, den ersten Deutschen Pflegetag mit seiner Eröffnungsrede beehrte fühlte man sich an alte Muster erinnert.
Es wurde eigentlich durchgehend aus dem Koalitionsvertrag zitiert. Quasi Versprechungen erneut Versprochen, die seit Jahrzehnten eigentlich die gleichen sind: Mehr Anerkennung, Mehr Geld, bla bla bla. Doch auch ihm muss aufgefallen sein, dass sein Publikum sich von bloßen Worthülsen nicht mehr beeindrucken lässt. Großer Applaus? Fehlanzeige. Mitleidiges klatschen nach über 10 Minuten. Für einen professionellen Redner und Politiker wohl so etwas wie eine Schlappe.
Doch das gesetzte Zeichen der Pflege ist eindeutig:


 Lasst auf eure Worte Taten folgen!


Die Pflege hat längst gelernt, dass sie das Heft selbst in die Hand nehmen muss, um ihre Interessen vertreten zu sehen. Umso erfreulicher ist es zu sehen, wie auf dem Pflegetag diskutiert wurde: Nah an der Praxis, fern von den Sesseln der Chefetagen in Politik und Lobby. Insbesondere Vorträge über Chancen und Möglichkeiten einer nationalen Pflegekammer und ähnliches.

Dies verdeutlicht nämlich vorallem eines: Die Pflege selbst ist in der Diskussion bereits viel weiter, als die Politik. Als Beispiel nehme ich das Versprechen, dass die Ausbildung demnächst umsonst sein soll:
Fakt ist: In den meisten Fällen wird in einem dualen System ausgebildet, sodass der Schüler für seine Ausbildung bezahlt wird, wie in anderen Bereichen auch üblich. Die schulische Ausbildung ist in Heilerziehungspflege vielleicht am ehesten gängig, aber dennoch sind wohl die wenigsten Pflegenden auf diese weise ausgebildet worden.
Uns fehlen mindestens 120 000 Pflegekräfte. Und Herr Gröhe möchte eine kostenlose Ausbildung? Entschuldigung, aber hier wird ein Symptom bekämpft, wahrscheinlich sogar das kleinste. Herr Gröhe, Sie haben einen Dekubitus 1. Grades? Sie bekommen von mir etwas Puder UMSONST, dann sieht es ja keiner. Ein wenig Bewegung würde ihnen ohnehin nicht schaden..
Zurück zum Thema: Das Problem ist doch nicht, dass der PflegeSCHÜLER zu wenig in der Tasche hat, sondern, dass der examinierte oder sogar studierte Pflegende von seinem Beruf nicht einmal eine Familie ernähren kann. So kurzsichtig ist nicht einmal unsere Generation, um auf ein solches Lockmittel hereinzufallen.

In den Medien unterrepräsentiert


Die Pflege hingegen versucht mit Pflegekammern und Qualitätssteigerungen dafür zu sorgen, dass das Lohndumping ein Ende hat, und qualifizierte Kräfte das Geld bekommen, dass sie auch verdienen.
Statt die Symptome zu bekämpfen (und das sogar bislang nur mit Worten!) Herr Gröhe, sollten Sie von der Pflege lernen: Zuhören, mitdenken, diskutieren und HANDELN.

Was mir darüberhinaus aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass der Pflegetag in den Medien relativ unterrepräsentiert war. Bei Google findet sich nicht einmal ein Dutzend verschiedener Berichte, im Fernsehen war auch nicht wirklich was zu sehen. Schade, dass die Medien eine Berufsgruppe von 1,2 Millionen Menschen, die sich für alle anderen 80 Millionen Deutschen im Dienst sieht so unter den Tisch fallen gelassen wird.

Jetzt ist aber genug gemeckert :)

Alles in allem muss ich sagen, dass der PT als Erfolg zu verbuchen ist, den man auf jeden Fall wiederholt stattfinden lassen sollte. Auch die wenige Aufmerksamkeit, die es gegeben hat, ist wichtig! Und auch als Forum für die Pflege unter sich ist ein solcher Tag auf nationaler Ebene sicherlich dauerhaft wertvoll.
Was das Ergebnis des PT angeht wird man gespannt sein können. Natürlich konnten keine Bäume ausgerissen werden, aber für den Anfang kann man doch recht zufrieden sein, oder wie seht ihr das? Vielleicht kann ja jemand, der auch dort war noch etwas beitragen?
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