12.10.2013

Neuer Expertenstandard vorgestellt!

Am gestrigen Freitag (11.10.13) lud das "Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege" (DNQP) zur Konsensus-Konferenz zum Thema "Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen" ein. Circa 500 Teilnehmer und Vertreter aus Verbänden, Organisationen und sogar der Bayrischen Landesregierung kamen zu diesem Anlass in die gerade renovierte OsnabrückHalle- schön dort! Über mein Studium hatte ich Gelegenheit, an der Konferenz teilzunehmen und werde die Ergebnisse hier ein wenig
zusammenfassen.

Zunächst: Beschlossen worden ist gestern der fertige Expertenstandart noch nicht. Wichtige Elemente wie zum Beispiel die Kommentierungen, etc. fehlen noch. Rechnen kann man mit der fertigen Ausgabe ab Anfang 2014. Zu diesem Zeitpunkt sollen dann auch die ersten Modellhaften Implementierungsversuche starten.
Arbeitstext
 Dazu werden übrigens 25 Pflege-Einrichtungen gesucht, die sich bis zum 8.11.13 für das Modellprojekt bewerben können. Vielleicht für die meisten jetzt etwas kurzfristig.
Die Diskussionen zu den einzelnen Ebenen des Standarts zeichneten sich durch eine, für mich überraschende, Fachqualität aus. So wurde zum Beispiel schnell der Zweifel laut, die geforderte interdisziplinäre Zusammenarbeit umsetzen zu können. Problematisch ist nämlich, dass der Standart vorsieht, aktiv an der Schmerztherapie zu arbeiten- was hauptsächlich als ärztliche Aufgabe gesehen wird. Der Verdacht, dass inderdisziplinäres Arbeiten daran scheitert, dass Ärzte sich um ihre Arbeit betrogen fühlen. Tatsache ist jedoch, dass Pflegende nun einmal den längsten Patientenkontakt mit den Pateinten oder Bewohnern haben und somit anderen Disziplinen in der Einschätzung der Schmerzen und deren Verlauf einen großen Vorteil haben. Auch in der Behandlung der Schmerzen schafft der §63 V SGB einen Handlungsfreiraum für Pflegende, den diese seit inkrafttreten des Gesetzes vor nun knapp anderthalb Jahren nutzen können.

Fürchtet euch nicht, sondern macht das!


so die Aussage des bekannten Universitätsprofessors Jürgen Osterbrink, Projektleiter des Aktionsbündnisses "Schmerzfreie Stadt Münster". Pflegende sollten sich auf geschaffene rechtliche Mittel berufen und so innerhalb des interdisziplinären Teams selbstbewusst auftreten können.

Betont wurde auch, dass der Standard, wie auch bereits die vorhergegangenen langfristig zu betrachten sind. Er lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen, und das muss er auch nicht. Fakt ist jedoch das wir ihn definitiv brauchen. Abgesehen davon, dass  Schmerzen allein schon aus ethischer Sicht etwas sind, gegen das mit aller Kraft arbeiten muss möchte ich hier aus dem Arbeitstext der Konferenz ein paar Gesundheitsökonomische Fakten zitieren:
"Schätzungen gehen von einem Anteil von 6-8% der Gesundheitsausgaben bzw. 11,7-15,5 Mrd. Euro direkte Gesundheitskosten durch nicht-tumorbedingte, chronische Schmerzen aus. Allerdíngs entsteht der noch wesentlich größere volkswirtschaftliche Aufwand durch indirekt entstehende Kosten. Krankheitstage, eingeschränkte Produktivität, und Frühberentung können z.B. bei Rückenschmerzen 70% der indirekten Kosten verursachen"
Zum Vergleich: das "Rettungspaket" für die Krankenhäuser wird max. 1,1 Mrd. € betragen, was etwa 0,6% Anteil der Gesundheitsausgaben ergeben würde.

Schmerz ist eine Volkskrankheit

Herr Isenberg,
Geschäfstführer
der DGSS
Wichtig zu erwähnen ist, dass der Standard hervorhebt, wie wichtig die Selbstmanagement-Ressourcen  des Patienten sind. Patienten mit chronischen Schmerzen haben oftmals längst Verhaltensweisen eingeübt, die die Schmerzen lindern (sollen). Diese wird von uns als Pflegenden leider zu selten gewürdigt, obwohl sie doch schon eine Orientierung in der eigenen Arbeit darstellt.
Vertreter Thomas Isenberg von der
Deutschen Schmerzgesellschaft resümierte: "Schmerz ist eine Volkskrankheit" und lobte das konsequente Vorgehen der Pflege im Kampf gegen den Schmerz. Seiner Meinung nach sollte Schmerz in Gesundheitlichen Duskursen eine ähnlich wichtige Rolle spielen wie zum Beispiel Diabetes, sodass er von der nächsten Regierung einen nationalen Aktionsplan gegen Schmerz fordert.



Als kleiner Ausblick: Der nächste Expertenstandart wird sich mit der "Erhaltung und Förderung der Mobilität“ befassen. Weiter so!
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