25.06.2013

Von Fäkalienkünstlern und Co. wie sich die Pflege selbst diskreditiert.

Facebook ist schon ne praktische Sache. Nicht umsonst hat auch dieser Blog hier den Versuch gestartet, dort etwas mehr Präsenz zu zeigen.

 Doch, dass Facebook nicht nur positive Seiten hat ist ja nichts neues. Ich möchte die Zeit aber nicht mit etwas, was mit "Pflege" nichts zutun hat, wie zum Beispiel diverse Datenaffären verschwenden, sondern über die Art, wie Pflegende sich im Netz selbst präsentieren.
Sauer aufgestoßen ist mir da nämlich ganz besonders die Seite "Dinge, die eine Krankenschwester nicht sagt". Schon allein die Namensgebung sagt, dass dort ein Berufsbild vertreten wird, dass als reaktionär, zumindest jedoch als unterwürfig bezeichnet werden kann. Ich arbeite in der Pflege und nicht in einem religiösen Orden. Ich bin Pfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, um genau zu sein.
Nun gut. "Schwester" ist noch immer ein gebräuchlicher Begriff auf der Station, und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. Doch ich für meinen Teil hoffe und glaube, dass sich dieser Begriff nicht mehr all zu lange halten kann, was unter anderem damit zusammenhängt, dass Männer im Beruf immer weiter auf dem Vormarsch sind und von diesem "Noch-immer-Synonym" nicht angesprochen werden.
Aber genug Wortklauberei. Zum Inhalt:
Die Posts sind allesamt sarkastisch zu verstehen, als Sätze, die eine "Schwester" niemals sagen würde.
 Hauptsächlich geht es um drei Große Themen:
 -Zu wenig Geld ("Ich werde für meine Arbeit überdurchschnittlich gut bezahlt.")
 -Zu viel Stress ("Wir waren heute schon wieder überbesetzt.")
 -Nervige Patienten ("Kein Problem das sie schon das 10x in der Nacht klingeln nur um mal zu gucken ob ich   denn noch da bin")

 Während so ziemlich jeder, der im Beruf tätig ist den ersten beiden Punkten zumindest teilweise zustimmen dürfte, passt der dritte nun so garnicht dazu, denn dass der Patient, egal wie nervig es auch sein mag, damit verschiedenste Botschaften zu senden versuchen könnte, denen es nachzugehen gilt (es sei an das Gesprächs modell nach Schulz von Thun erinnert).
Professionelle Pflege erkennt soetwas. Professionelle versucht dem nachzugehen. Und professionelle Pflege verdient daher auch mehr Anerkennung, mehr Gehalt, bessere Personalschlüssel.
Meiner Meinung nach, sind besagte "Schwestern" jedoch mit solcherlei Ausmaß zu einem nicht geringen Teil selbst schuld an der Misere. Ein weiterer trauriger Höhepunkt war dann folgender Post:
 "Ich finde sie als Fäkalienkünstler echt klasse, weiter so." 
Leute, geht´s noch?  Mit welcher Motivation kann man sich über psychische und körperliche Leiden von Patienten lustig machen, wenn es der eigene Job ist, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen?
Fakt ist: Die Krankenpflege ist einer der angesehensten Berufe in Deutschland.
Dies ergibt Jahr für Jahr die Forsa Bürgerbefragung im Auftrag des Beamtenbundes. (Siehe hier)

Statistik aus besagter Studie

Doch wir haben nichts besseres zutun als darüber zu lamentieren wie schlecht wir doch angesehen werden, und wie kacke unser Job doch ist? Sorry, aber das kann es doch nicht sein!
Es wird eine der wichtigen Aufgaben der neuen Generation in der Pflege sein, das Selbstverständnis des Berufes neu zu definieren und zu überholen. Nur wer seinen Beruf nicht selbst schlechter macht, als er ist, kann auch erhobenen Hauptes ein höheres Gehalt fordern.
Meine Meinung.

Kommentare:

  1. ich würde die aussagen bei facebook nicht so negativ sehen ! natürlich stellt es unseren Beruf in einem negativen Licht da , aber ich glaube manche von uns wollen sich so auch Gehör verschaffen !

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  2. Das Problem, und da muss man dem Autoren recht geben, ist doch, dass wir uns selbst ständig in ein so negatives Licht Rücken, aber von der Gesellschaft dennoch erwarten, uns zu unterstützen. Das kann nicht wirklich in unserem Interesse sein :/

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  3. Professionelle Pflege findet doch schon längst nicht mehr statt, mangels Personal und Zeit. Das was in Deutschland als "professionell" verkauft wird, ist in Wahrheit schon gefährlich, wenn man die Personaldecke anschaut. Die Fluktuation in Pflegeberufen ist groß, viele Pflegende sind depressiv und ausgebrannt. Das Berufsbild ist negativ und wird es bleiben, so lange bis in der Gesundheitspolitik umgedacht wird. Mit uns oder unserem Selbstbild hat das herzlich wenig zu tun. Dem Verzweifelten bleibt nur noch das Lachen. Ich habe 15 Jahre in der Pflege, am Patienten in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet und bin sehr froh, dass ich dank diverser Fort- und Weiterbildungen jetzt nicht mehr am Patienten arbeiten zu müssen. Die Bedingungen sind einfach schrecklich, egal, was für ein fröhliches Selbstbild wir uns da zusammen zimmern.

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  4. bin absolut der gleichen Meinung wie mein Vorschreiber. Nach mehr als 30 Jahren versuuche ich gerade den Ausstieg, gar nicht so einfach wenn man nur Krankenschwester ist. Ich meine was ich schreibe. Und ohne Humor, Sarkasmus und lesen, dass es anderen ähnlich geht, hätte ich es vll gar nicht ausgehalten....

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  5. Schlimm wenn man keinen Humor hat. Mir hilft es mit so manchen in der Arbeit zurecht zu kommen

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