30.04.2013

Pflegeprozess


Welchen Nutzen oder immateriellen Gewinn haben alle vom Pflegeprozess? (6-Phasiges-Modell)

Der Pflegeprozess bringt allen direkt und indirekt Beteiligten große Vorteile im Hinblick auf Zeitmanagement, Qualitätsmanagement und die dadurch entstehen Kosteneinsparungen. Pflegende können im indirekten Handeln dadurch profitieren, dass ihr Handeln vergleichbar wird. So können Pflegehandlungen individueller geplant, umgesetzt und ausgewertet werden. Durch die Strukturierung in einem Pflegeprozess ist dieser mit Pflegeprozessen Vergleichbar und so können Vor- und Nachteile bestimmter Pflegehandlungen leichter evaluiert werden. Dies spielt auch berufspolitisch eine große Rolle, da die Pflege immer mehr als selbstständige Profession neben der Ärzteschaft wahrgenommen werden möchte. Dies macht den Pflegeproess als solchen notwendig, da alternativ dazu nur „aus dem Bauch heraus“ gehandelt werden kann, was absolut nicht als „professionell“ bezeichnet werden kann. Würden Pflegende nicht im Prozess arbeiten wird die Pflege als eine eher handwerkliche Tätigkeit gesehen, welche einen entsprechend niedrigeren Status inne hätte, als eine planende, ausführende und evaluierende Pflegeschaft. Auch um eine gemeinsame Handlungsgrundlage zu haben, die alle Berufsverbände miteinander verbindet, eignet sich der Pflegeprozess als eine Art „Brücke“ zwischen den vielen verschiedenen Organisationsformen.
Der Pflegeprozess macht die Pflegetätigkeit zunehmend transparent, was sich positiv auf die Gesundung der Patienten auswirken kann. Während Ärzte ihre nächsten Schritte dem Patienten ankündigen und so z.B. auf eine OP vorbereiten, handeln Pflegende kurzfristig, sodass der Patient keine oder kaum Zeit hat die Situation zu bewerten. Pflege im Prozess kann mit dem Patienten gemeinsam geplant werden, sodass der Patient an Orientierung gewinnt. Dabei können auch Angehöre miteinbezogen werden, die ebenfalls langfristig mit eingebunden werden.
Betreuende Ärzte könnten in den Verdacht geraten, sie stehen dem Pflegeprozess eher skeptisch gegenüber, stellt sie doch den Pflegenden einige Stufen höher als vorher. Doch den meisten dürfte bewusst sein, dass konkurrenzdenken in der jetzigen Pflegesituation und angesichts des Ärztemangels fehl am Platze ist. Der Pflegeprozess ist die Grundlage dafür, dass Pflegende zunehmend bisllang ärztliche Tätigkeiten übernehmen können und ihnen so Zeit und Arbeit sparen.

Selbes gilt auch für therapeutische Hilfsberufe. Diese könnten innerhalb des Pflegeprozesses auchauch vermehrt mit den Pflegenden gemeinsam die Entwicklung des Patienten bewerten und so zur Evaluierung der Pflegemaßnahmen beitragen als dies bislang der Fall ist.
Die Gesellschaft profitiert vorallem dadurch, dass auf diese Weise enorme Kosteneinsparungen möglich sind, die durch die steigende Qualität der Arbeit und das Zeitersparnis zustande kommen. Auch sinkende Kosten für folgeerkrankungen aufgrund von Pflegefehlern sollten sich minimieren, da der Prozess ja regelmäßig überprüft und ggf. korrigiert wird und Fehler so besonders schnell zu Tage treten.


Dies entspricht den gesetzlichen Regelungen wie sie im Heimgesetz §13 genannt werden i
Der Träger hat nach den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buch- und Aktenführung Aufzeichnungen über den Betrieb zu machen und die Qualitätssicherungsmaßnahmen und deren Ergebnisse so zu dokumentieren, dass sich aus ihnen der ordnungsgemäße Betrieb des Heims ergibt.“
Diese Aussage klingt zwar zunächst relativ schwammig, da „ordnungsgemäß“ wohl eine Auslegeungssache ist, doch man kann sie so verstehen, dass man die Pflege Maßnahmen UND Ergebnisse dokumentieren muss. Um ergebnisse bewerten zu können muss man jedoch im Prozess arbeiten, da man sonst kein abschließendes Ergebnis erreichen kann, bzw. kein Pflegeziel hat, das man erreichen kann.
Aus §11 Absatz 7 geht Außerdem hervror, dass die Heimaufsicht die Aufgabe hat sicherzustellen, „dass für pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner
Pflegeplanungen aufgestellt und deren Umsetzung aufgezeichnet werden“

Da die Pflegeplanung und Umsetzung bereits Teile des Pflegeprozesses sind, die noch um die Evaluierung ergänzt werden, ergibt sich aus beiden Passagen kombiniert die Grundlage dafür anzunehmen, dass der Gesetzgeber ausdrücklich verlangt im Pflegeprozess zu arbeiten, statt intuitiv vor sich hinzumalochen.
Ein Fakt, der vielen Pflegenden in dieser Deutlichkeit sicherlich nicht bewusst ist

Johannes Sieve
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Kommentare:

  1. Nur geplante Pflege ist gute Pflege. Ziemlich sicher ist es tatsächlich so einfach.
    Man muß allerdings einschränkend nachfragen: Für wen wird geplant? Für den Patienten, den Pflegebedürftigen, oder für die Heimaufsicht und den MDK?
    Leider lautet die Antwort: für die Heimaufsicht und den MDK. Und damit diese sogenannten Kontrollinstanzen auch wirklich zufrieden sind, haben die Pflegeplanungen eine Länge von 12 bis zu 20 Seiten (!!!) und sind damit völlig sinnlos für den Pflegealltag.
    Geplante Pflege ist eben nur dann gute Pflege, wenn die Planung nicht über eine Seite pro Schicht hinausgeht und daher auch von allen Pflegekräften gelesen und umgesetzt werden kann.
    Jetzt planen wir die Pflege uferlos völlig unabhängig von den Bedürfnissen der Patienten und Pflegebedürftigen und pflegen dafür vollkommen planlos. Entsprechend den Personalschlüsseln: satt- sauber- sediert.
    Thorsten Meier

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  2. In der Tat muss zwischen der Planung für den Pat. und der Dokumentation für KK und Gesetz unterschieden werden.
    Dennoch bin ich der Meinung, dass Pflegende einen großen Fehler damit machen, wenn diese beiden Seiten deutlich voneinander Abweichen. Warum? Ich plane meine Maßnahmen die der Pat. für Gesundung- und Gesunderhaltungsprozess benötigt. Für diese Maßnahmen werde ich und das Haus bezahlt. Schreibe ich nun dauerhaft Dinge auf, nur um diesen Geldbetrag zu erhöhen, mache ich mich, das Haus und den gesamten Berufsstand unglaubwürdig. Besonders aus berufspolitischer Sicht ist dies sehr fragwürdig.
    Dauerhaft ist natürlich anzustreben eine Bezahlung anzustreben die nicht an geleisteten Maßnahmen orientiert ist, sondern deren Erfolg. Der Logik nach haben Krankenhäuser ja derzeit aus finanzieller Sicht gar kein Interesse daran, dass beispielsweise Pat. nicht stürzen, da sie für die OP noch einmal richtig Kohle machen können. Ist natürlich jetzt sehr provokant gesagt, aber im Prinzip ist es ja leider derzeit so.
    Würde man stattdessen Prämien für niedrige Sturzquoten, niedrige Raten an nosokomialen Infektion etc. bezahlen, wäre dies für mich wesentlich sinnvoller und vorallem ein Anreiz zu mehr Professionalität.

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