05.02.2013

Warum wir eine Pflegekammer brauchen!



Was macht eine Pflegekammer überhaupt?

Die "Kammer" ist in verschiedensten Bereichen der Berufswelt bereits ein wichtiger Teil des jeweiligen Berufstandes. Da die Pflege jedoch seit jeher in verschiedenste Lager aufgeteilt ist kam es bislang nicht zu einer einheitlichen Stimme für eine Kammer. Die Aufgaben die eine Kammer übernehmen könnte, kann keiner der vereinzelten Berufsverbände, von denen es mehrere Dutzend in Deutschland gibt, allein bewältigen. Beispielsweise zu nennen sind:
  • Qualitätssicherung in der Pflege aufgrund festgelegter Berufsinhalte und -pflichten
  • Erstellung eines Berufsregisters
  • Erfassen des Berufsstandes nach Anzahl, Altersstruktur, räumlicher Verteilung und Qualifikation
  • Organisation flächendeckender Versorgung
  • Erteilung oder Entzug von Berufserlaubnis
  • Weiterentwicklung und Vereinheitlichungeiner Berufsethik bzw. eines Berufskodex
  • Aufsicht und Kontrolle der Fortbildungsverpflichtung, sowie organisation kontinuirlicher Fortbildung
  • Erstellen von Gutachten & Expertisen
  • Fachliche Beratung des Gesetz- und Verordnungsgebers, sowie wirtschaftlichen Vertretern
  • Beteiligung an Gesetzgebungsverfahren, insbesondere der Ausbildungsreform

Die Zulassung einer Pflegekammer fällt in den Verantwortungsbereich der Bundesländer, die über sein und nicht sein einer Pflegekammer entscheiden können. Grundlage hierfür ist das Heilkammergesetz (HKG). 
Die Ergebnisse dieser kenntnislosen Politik ohne Einbindung der Pflegenden führt jedoch lediglich zu Abbau von Ausbildungsplätzen, daraus resultierendem Nachwuchsmangel, Imageverlust und Überlastung der Pflegenden. Solange Pflegende über sich entscheiden lassen, sind Pflegende ein Kostenfaktor. Dass wir diagnostizieren, wir Krankheiten verhüten, Entscheidungen anderer korrigieren und somit Leben retten wird außer acht gelassen, wie die Tatsache dass wir durch unsere Arbeit langfristige Kosten einsparen.

Warum also noch keine Pflegekammer?

Gegner sind unter anderem die Krankenhäuser der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, welche befürchten, dass sich die vielen verschiedenen Pflegeverbände nicht einigen können und somit die Probleme nicht zu lösen sind. Obwohl diese Befürchtung auf den ersten Blick schlüssig erscheint ist entgegenzuhalten, dass Positionen von allen Seiten im Deutschen Pflegerat diskutiert werden und anschließend in einem Konsens münden. Dies ist ein urdemokratischer Prozess und kein Grund gegen eine Pflegekammer zu stimmen. Man könnte unterstellen, dass dies ein vorgeschobenes Scheinargument der Krankenhäuser ist, die weitere Autoritätsverluste befürchten.
Der "Sozialverband Deutschland" lehnt eine Pflegekammer ab, weil einem eigenständigen Versorgungswerk für Pflegende nicht zugestimmt wird. Dieses Argument ist logisch, da bestehende Kammern ebenfalls über ein eigenes Versorgungssystem verfügen. Würden die Pflegenden jedoch ein eigenes Versorgungssystem aufbauen, würden auf einen Schlag über eine Million Menschen aus der gesetzlichen Rentenversicherung austreten. Die übrigen Beitragszahler wären mit erhöhten Gebühren belastet. Kann ein Sozialverband das wollen? Zweifelhaft.

Gegner unter den Pflegenden selbst führen die Zwangsmitgliedschaft ins Feld. Die Kammer wird somit auf einen Kostenfaktor für den Pflegenden reduziert. Dies halte ich für einen Irrsinn. Vergleichbare Kammern erheben einen Beitrag von 0,15% des Bruttolohnes. Geht man von 30000€ Jahresbruttolohn aus ergibt das im Monat nicht einmal 4€. Dieses Geld wird für oben genannte Interessen verwendet, die jedem einzelnen Pflegenden zugute kommen. Dadurch, dass Pflegende erstmals einheitlich organisiert wären, lässt sich auch auf Lohnerhöhungen hoffen, sodass diese 4€ eher als eine Investition als eine Ausgabe gesehen werden sollten. Dass an den Pflegenden als erstes gespart wird ist nämlich kein Zufall, sondern eine Frage des Widerstandes.


 

Festzuhalten ist: "Ein Arzt hat eine ganze Ärztekammer hinter sich stehen. Ein Pflegender im schlechtesten Fall nicht einmal seine Station" ;) 


Bild: http://www.h-hanika.de

1 Kommentar:

  1. Ich bin gegen eine Kammer, weil ich der Meinung bin, dass Pflegende mit ihren mäßigen Einkommen als Gegenleistung für Schichtdienst, Ausbeutung und Burnoutgefahr, ... genug leisten.
    Die Arbeit der Pflegenden wird in der Gesellschaft nicht anerkannt, hier haben die Verbände leider keine nachvollziehbar erfolgreiche Arbeit geleistet. Die Berufsverbände fordern Akademisierung, die die Pflegenden von o.g. Einkommen selbst finanzieren sollen, neben den Anforderungen, die der Beruf mit sich bringt. Wie die berufsbegleitende Akademisierung der bereits ausgebildeten Pflegenden, die auch Familie haben, erlangt wird, ist den Berufsverbänden nicht wichtig.
    Die Arbeitsplätze für akademisierte Pflegekräfte sind in vielen Krankenhäusern zum einen völlig unzureichend ausgestattet bis nicht vorhanden. Wenn sie vorhanden sind, so haben junge, unerfahrene, akademisierte Pflegekräfte bereits bei Berufsantritt einen finanziellen Status, der langjährig erfahrenen Pflegekräften nahe kommt. Das ist einfach nur unfair.

    Wer wird sich denn in der Kammer breit machen? Es werden die Akteure der Berufsverbände sein, die bisher so unzufriedenstellende Arbeit geleistet haben und das dann "im Interesse der Pflegenden" nennen. Sie wollen ihr Aufgabenfeld ausbauen, sichern und sich das von den Pflegenden finanzieren lassen. Sie wollen Pflegende zu ihren Fortbildungsangeboten verpflichten, die völlig überteuert und fern jeder brauchbaren Realität konstruiert sind. Mit einer Zwangsmitgliedschaft werden deren Absichten dann dargestellt, als sei das im Interesse aller Pflegekräfte, die nicht wirklich gefragt werden.
    Die Berufsverbände sollen erst mal die Rahmenbedingungen schaffen und ihre lautere Absicht unter Beweis stellen, bevor sie den bereits genug belasteten Pflegekräften diese Umstellung zumuten.
    Definitiv, ich bin gegen eine solche Pflegekammer!!!

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