08.02.2013

Mit Dokumentationsassistenten gegen Zeitmangel?


Über eine Twitter-Meldung stieß ich auf die Nachricht, dass das Land Rheinland-Pfalz in einer Vereinbarung (hier zu finden)  bekannt gab, dass man zur Entlastung der Pflegenden eine neue Berufsgruppe zu schaffen erwägt: Medizinische Dokumentationsassistentin bzw. -assistent.

In Handlungsfeld IX 4. Vereinbarung zur Entbürokratisierung liest man
"Die Verbände der Einrichtungsträger wirken darauf hin, weiterhin den Bürokratieaufwand
und die daraus entstehenden Belastungssituationen von Pflegekräften im Alltag genauer zu
analysieren und Wege aufzuzeigen, wie die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser diese reduzieren können. Sie wirken weiterhin darauf hin, dass moderne Dokumentationssysteme zum
Einsatz gebracht werden. Ebenfalls soll der Einsatz von Fachkräften wie beispielsweise Medizinische Dokumentationsassistentin bzw. -assistent (..) geprüft werden."

Ich stehe dem ganzen vor dem Hintergrund der Konzepte zur Bezugspflege kritisch gegenüber. Ich halte es für sinnvoll, dass der Bezugspflegende die Vitalzeichen kontrolliert und und alles Dokumentiert. Nur er hat den genauen Überblick über die Perfomance des Patienten und kann sich Gründe für Schwankungen in der Tagesform erschließen und auch diese in der Dokumentation berücksichtigen.
Natürlich nimmt dies Zeit in Anspruch die man mit vermeintlich wichtigeren Dingen verbringen kann als oft als ünnötig empfundenen "Papierkram".

Wie arbeitet denn ein Dokumentationsassistent?


Doch ich kann mir die Arbeitsweise des "Dokumentationsassistenten" nicht wirklich vorstellen.
Im Prinzip habe ich zwei Möglichkeiten im Kopf:
1. Der Assistent übernimmt das kontrollieren der Vitalzeichen und redet mit dem Patienten über dessen Befinden und dokumentiert anschließend.
 Um vollständig Dokumentieren zu können müsste er dann mit dem verantwortlichen Bezugspfleger Rücksprache halten, was wiederum Zeit in Anspruch nimmt. Das Erwartete Zeitersparnis bleibt dann wahrscheinlich sehr klein.

Die zweite Möglichkeit wäre, dass jede Station erstmal die Daten sammelt und dann im Laufe des Tages ein Assistent alles aufnimmt und einträgt. Bis dahin müssten die Pflegenden aber ja wieder alles aufgeschrieben haben. Auch hier also kein Zeitersparnis.
Auch nach längerem suchen im Internet bin ich nicht schlauer geworden in der Frage, wie denn so ein Assistent nun die Pflegenden entlasten kann.

Die Dokumentationssysteme die mir bekannt sind, arbeiten alle mit einer Mischung aus abhaken von Pflegeleistungen per Unterschrift und einem kurzen schriftlichen Bericht über Besonderheiten, etc. der dann Unterschrieben wird. Ich bezweifle, dass ein Assistent befugt wäre, die Unterschrift eines Pflegenden zu ersetzen, zumal er ja wahrscheinlich nicht dabei ist, wenn die Handlungen ausgeführt werden.

Habt ihr also bereits Erfahrungen mit den Dokumentationsassistenten? Wie arbeiten sie und helfen sie gegen den Zeitmangel? Schreibt es in die Kommentare!
Was meiner Meinung nach die Dokumentation direkt erleichtern würde, wären mehr elektronische Kurven. Im Idealfall auf einem Tablet installiert, den man mit ins Patientenzimmer nehmen kann und anschließend nur Wischdesinfizieren muss.
Dieses Tablet wäre dann mit dem Hauseigenen Intranet synchronisiert, sodass man die Daten direkt im Stationszimmer, dem Arztzimmer oder bei sonstigen relevanten Stellen einsehen könnte. Dies würde Wege einsparen, die man mit der Kurve sonst oftmals laufen muss, und es würde der Lesbarkeit vieler Kurven sicher dienen. Dazu nur ein kleiner Witz mit dem ich meine Gedanken abschließen möchte:

Bild: http://memeblender.com. I do not own any rights for this file





Kommentare:

  1. Sorry, aber ich glaube da fehlt es Ihnen am Bezug zur Praxis, es geht doch bei solchen Dokumentationsassistenten nicht um das Eintragen von Vitalzeichen...es geht um Erstellung von Planungen, Assesmants und Scrennings und hier machte es sehr wohl Sinn, diese Stellen für zum Beispiel erfahrene ältere Kollegen zu schaffen.

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  2. Wie gesagt, ich habe noch keinen Dokumentationsassistenten in der Praxis gesehen und auch noch nie mit einem gesprochen und kann mir deren Arbeitsweise nicht genau vorstellen. Darum schonmal danke für den Kommentar. :)
    Dass diese Assistent nun die Planung für einen Patienten bestimmt halte ich jedoch wie auch im Artikel gesagt mit Blick auf die Bezugspflege für falsch. Warum sollte denn der Assistent solche Abläufe besser oder effizienter lösen als der Bezugspflegende? Das erschließt sich mir nicht. Würde man stattdessen eine Pflegekraft mehr einstellen, sodass sich das Pflegenden- Bewohner. Verhältnis auf ein annehmbareres Ergebnis einpendelt, hätte man damit meiner Meinung nach sinnvoller investiert. Aber das mache ich gerade an Vermutungen fest und schäme mich dafür. :))

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  3. Bei uns gehören die zum Medizin-Controlling und nehmen den ÄrztInnen die Dokumentationsarbeit ab, damit besser abgerechnet werden kann.

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  4. Solange von diversen Stellen, diverse Formulare verlangt werden, die Pflegefachkraft nicht entscheiden darf, was der Planung bedarf, sondern im Gießkannenprinzip alle Formulare ausgefüllt, alle Screenings gemacht und all dies auch alle drei Monate evaluiert werden muss, solange wird sich den meisten Pflegekräften der Sinn der Pflegeplanung nicht erschliessen, und alles einfach als "Schreibkram" abgetan. Denn es sind pro Bewohner mal eben so 30 Formulare, die man durcharbeiten muss... und: jeder. der mit diesem Bewohner arbeitet, sollte die PP kennen...
    Ich bin für: eine sinnvolle, übersichtliche und individuelle Planung, die auch für unsere Pflegehelfer eine Handlungsanweisung beeinhaltet. Dann ist die PP ein nutzbringendes Arbeitsinstrument.

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