07.02.2013

Bundesregierung: Pflegen macht glücklich

Der Youtube-Kanal der Bundesregierung veröffentlichte am Freitag den 03.02.12 folgendes Video mit dem Titel "Pflegen macht glücklich". In der Beschreibung heißt es:
 „Pflege muss man mit Herz machen", sagt Janine Hoffmann Sie ist ein Pflegebotschafterin der Aktion des Bundesgesundheitsministeriums „Ich pflege weil..." Pflegende erzählen über ihren vielseitigen Beruf." Weitere Informationen zu den Pflegebotschaftern: Fehlanzeige. 
Der beigefügte link funktioniert nicht und führt zu einem Error auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit. Gute Arbeit. Bevor ich das Video an sich kommentiere, möchte ich, dass ihr euch ein eigenes Bild macht:



Zunächst möchte ich fest halten, was mir positiv aufgefallen ist. Diese Liste ist zwar kurz, aber sie existiert:
  • Die Politik denkt an die Pflege und setzt sich für ein gutes Image ein. 
  • Es kommen junge Azubis zu Wort und machen Werbung für den Beruf
Die Liste mit Dingen, die mir wirklich sauer aufstoßen ist da schon ein wenig länger:
  • Die Tatsache, dass länger examinierte nicht zu Wort kommen
Die Pflegenden arbeiten körperlich und setzen bei ihrer Arbeit nicht selten ihre Gesundheit auf´s Spiel.
Über Rücken- und Knieprobleme klagen die meisten, nur die wenigsten schaffen es, den Beruf bis zur                    
Rente in Vollzeit auszuüben.

  • Unrealistische Traumwelt
Die gezeigten Tätigkeiten entsprechen wohl kaum dem Alltag, der einen in einer durchschnittlichen  
deutschen Pflegeeinrichtung erwartet. Die meisten Pflegeteams stehen vor Problemen drastischen   
Zeitmangels bei chronischer Unterbesetzung und sind froh, wenn sie die satt&sauber Pflege erreicht
haben. Für morgendliches Spazierengehen bleibt da in er Regel nicht die Zeit.
  • Vager "Pflege"-Begriff
Bei 0:44 min kommt Gesundheitsminister Bahr zu Wort. In seinem Statement, das Thema Pflege in der  
Öffentlichkeit populärer zu machen erwähnt er nicht ein einziges Mal von welcher Berufsgruppe er 
speziell redet. Dass er die Pflegenden unter einem Sammelbegriff zusammenfass widerspricht schließ-
lich seiner Haltung zur generalistischen Pflegeausbildung
  • "Fokus Geld"  rutscht "in den Hintergrund"
Der "Fokus Geld" von dem der arme Schüler da fahrlässig spricht war lange genug im Hintergrund.   
Dieses Video vermittelt der Bevölkerung, die Pflege weiterhin als eine Berufung zu sehen,
für die man bestimmt ist. Der Unterschied zwischen einem Beruf un einer Berufung liegt kurz gesagt  
einfach darin, dass man von einer Berufung leider keine Familie ernähren kann. Vor diesem Hintergrund wirkt auch der Titel "Pflege macht glücklich" nach billiger Realsatire. 


Die Kommentare unter dem Video sprechen im Endeffekt Bände und auch die Bewertungen für das Video sind denkbar schlecht. Alles in allem also ein Schuss der nach hinten los ging, da auch viele Pflegende selbst Stellung beziehen. Dass die Verantwortlichen auch bei solchen "Kleinigkeiten" direkt den Gegenwind der Anhänger unserer Profession bekommen halte ich für sehr, sehr lobenswert. Danke Kollegen!

(Dass ich gerade dieses Video kommentiert habe liegt übrigens daran, dass ich dachte, das Datum wäre von 2013 und erst als ich fertig war sah, dass es aus dem Jahr 2012 kam. ;) 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen