07.02.2013

Akademisierung der Pflege

Vor einigen Tagen schrieb ich über die Diskussion der Pflegeverbände und -vertreter darüber, ob Pflegende eine 10 oder 12 Jahre lange allgemeine Schulausbildung brauchen, bevor sie den Beruf erlernen.
Eine Frage die mit diesem Thema sehr eng zusammen hängt, und daher nicht unbeachtet bleiben sollte, ist die nach dem Akademisierungsbedarf in der Pflege.
Dabei steht im Prinzip im Vordergrund, ob Pflegende, die einen akademischen Abschluss haben einen positiven Einfluss auf die Pflegepraxis nehmen. Dies wird insbesondere von den Kritikern bezweifelt und mit dem "Argument" erwidert, dass Pflegende über ein gutes Sozialverhalten verfügen sollten, sprich: kommunikativ, hilfsbereit, liebevoll, etc. sein sollen, statt umfassend ausgebildet. Da Deutschland, wie bereits im Artikel "Streit um Bildungsniveau in der Pflege" erwähnt, eines der wenigen Ländern ist, dass Pflegende mit 10-jähriger Schulausbildung für ausreichend hält, lassen sich die Unterschiede der Pflegequalität mit dem Ausland schnell belegen, da man dafür nur einen Blick über den Tellerrand werfen muss, anstatt einen Blick in die Glaskugel, den einige Interessenvertreter leider vorzuziehen scheinen.
Daher hier einige durch Studien belegte Fakten:

-Zehn Prozent mehr Pflegeexperten mit Bachelor-Abschluss können das Risiko, innerhalb von 30 Tagen in einem Krankenhaus zu versterben, um rund fünf Prozent senken. 

-Die Zahl von Thrombosen, Pneumonien oder Harnwegsinfektionen sinken, wenn BA- Absolventen am Werk waren. Je mehr von ihnen, desto deutlicher das Ergebnis. 

"Die Studienlage zur Akademisierung der Pflege zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Qualität und Outcome", sagte Görres etwa dem Deutschen Ärzteblatt mit Blick auf die aktuelle Situation, dass das Wissen in der Pflege in den letzten Jahren so stark angewachsen ist, dass es in einer dreijährigen Ausbildung kaum noch Platz findet. 


Nicht für jede Aufgabe braucht es studierte Pflegende


Sicher ist, dass nicht für alle Aufgaben in der Pflege studierte Pflegekräfte benötigt werden. Daher sind sich Wissenschaftsrat DBfK einig, dass ein Anteil von bis zu 10% realistisch wäre. Dieser Meinung schließe ich mich an, zumal auch die Studien größenteils von diesem Anteil ausgingen. Dass besonders die Ärzteschaft sich gegen eine weitere Akademisierung ausspricht kann ich inhaltlich nicht nachvollziehen, da sie eine weitere Entlastung der Ärzte darstellen könnte. Da es jedoch sicherlich auch um Geldtöpfe von Krankenkassen und Staat geht, muss man Vorbehalte jedoch wohl zunächst verstehen.
Allerdings müsste auch die Ärzteschaft mit ihrer Kammer langfristig zu dem Ergebnis kommen, dass das Wohl des Patienten im Vordergrund stehen muss. Dass gesundheitliche Verbesserungen durch studierte Pflegende Kosten einsparen können, die zusätzliche freie Gelder bedeuten würden, wäre daher sicherlich ein Grund für die Ärzte, ihre Haltung zu dem Thema zu überdenken. 


Meinung des Patienten nicht übersehen


Der Patient jedenfalls scheint auf der Seite der Pflegenden zu stehen, wenn es um bessere Qualifikationsmöglichkeiten geht. 

Aus einer IfD-Studie zur Pflegequalität und Pflegesituation in Deutschland aus dem Jahr 2009 wird deutlich:Geht es um die Qualität der Pflege setzen 94 Prozent auf mehr und besser ausgebildetes Personal sowie verstärkte Kontrollen (62 Prozent).Die Tatsache, dass Pflegeleistungen unabhängig von deren Qualität bezahlt wird sehen Patienten kritisch und würden für bessere Pflege mehr Geld ausgeben wollen, als für schlechtere. Qualifizierte Pflegende würden somit auch im Einkommen profitieren können. Über die Ansichten des Patienten hinweg zu entscheiden wäre sicher ein Fehler, den man vermeiden sollte.

Was haltet ihr vom Akademisierungsbedarf in der Pflege? Schwachsinn oder Notwendig? 

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Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Es wäre klasse wenn die Pflegeeinrichtungen ihrem Auftrag der Fortbildung für Mitarbeiter nachkommen würden. Ich bin mir sicher,dass regelmäßige FORTBILDUNGEN d.h. ständiges studieren, der Mitarbeiter ebenso Harnwegsinfekte, Thrombosen etc. verhindern würden. Leider werden innerbetriebliche Fortbildungen mit unqualifizierten Dozenten als Fortbildung anerkannt. Der Wissensdurst der Mitarbeiter nicht gestillt, sondern versiegt durch diese Mittel. Die Zeit für Fortbildung und Weiterbildung wird doch garnicht gegeben. Es fehlen die VORGABEN die vom Arbeitgeber eingehalten werden MÜSSEN. So könnte die Pflegequalität gesteigert werden und jedem Mitarbeiter das Gefühl ,Teil eines sich ständig weiter entwickelnden Systems zu sein.

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