05.02.2013

10 oder 12? Streit um Bildungsniveau in der Pflege

Die Nachricht wurde von vielen mit Spannung erwartet: Die Eu-Binnenmarktkommission verkündete ihr Votum zu der Frage, ob das erlernen eines pflegerischen Berufes nach 10 Jahren allgemeinbildender Schule zulässig ist.
Die Antwort liest sich als ein Kompromiss: 10 oder 12 Jahre- beide werden von der neuen Richtlinie erfasst. Außerdem soll ein Kompetenzkatalog erarbeitet werden.

Pflegendenverbände zeigen sich empört

Gertrud Stöcker, die stv. Präsidentin des DBfK nennt diesen "Kompromiss ist nur die drittbeste Lösung“ und gibt zu bedenken: "Deutschland hat die Chance verpasst, den Abstand zum internationalen Standard in der Pflegebildung abzubauen". Auch der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS) zeigt sich verärgert über die Entscheidung der EU. Michael Breuckmann, der Vorsitzende der BLGS nennt die Haltung der Bundesregierung eine "eklatante Fehlentscheidung".
Er sieht in der 12-jährigen allgemeinen Schulausbildung den Vorteil, dass die Attraktivität des Berufes steigen würde und die Karrierechancen sich deutlich erhöhen würden.

Nach Angaben der EU sind die 12 Jahre bereits jetzt in 24 Mitgliedschaften vorgeschrieben. In Österreich wird das System gerade auf 12 Jahre umgestellt. Deutschland steht gemeinsam mit Luxemburg als Außenseiter dar, der 10 Schuljahre für ausreichend hält.

Auch Pflegewissenschaftler Prof. Jürgen Osterbrink sieht die Haltung der deutschen Politik kritisch. Das Land sperre sich gegen notwendige Reformen und stehe dadurch nicht nur in Europa sondern sogar weltweit als Schlusslicht dar. 

Gute Pflege hängt nicht vom Abitur ab


Allerdings gibt es auch Gegenstimmen, so äußerte sich zum Beispiel der Bundesgeschäftsführer
des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB), Thomas Knieling posititv zu der Entscheidung. Er gibt zu bedenken, dass besonders die Sozialkompetenz ein ausschlaggebender Faktor für den Pflegenden ist, und dieser in der schulischen Ausbildung nicht wesentlich gefördert wird, die Realschüler den Abiturienten also nicht nachstehen und somit grundlos als Auszubildende abgelehnt würden.
Ähnlich äußerte sich auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion Jens Spahn: "Gute Pflege hängt nicht vom Abitur ab"


Was sagt ihr zu der Diskussion? Seid ihr für den 12- oder den 10-Jahre-Weg? Haut in die Tasten und diskutiert in den Kommentaren!

Kommentare:

  1. Bin mir da selbst noch nicht ganz schlüssig. Habe zwar selbst kein Abitur als Pflegende aber sehe an den Studenten die wir zurzeit bei uns haben, dass die doch um einiges weiter sind als unsere Schüler, die im gleichen Lehrjahr sind.. vielleicht kann man ja mal nen Vergleich mit anderen Ländern machen, bei denen 12 Jahre normal sind?!

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  2. Habe versucht auf die Frage in diesem Artikel einzugehen: http://www.pflegekritik.blogspot.de/2013/02/akademisierung-der-pflege.html
    hoffe das hilft etwas weiter? :)

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